DOK LEIPZIG
INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR– UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Belle de nuit – Grisélidis Réal, Self Portraits


Belle de nuit – Grisélidis Réal, Self Portraits




KATALOGTEXT
Revolution, Geist, Körper, Traum. Das sind die Dimensionen, zwischen denen sich die Prostituierte und Künstlerin Grisélidis Réal Zeit ihres Lebens bewegte. Radikal in ihren Begierden und entwürdigt von den Wunden der Nacht, beginnt sie ab den 1960er Jahren, über sich und ihre Erlebnisse zu schreiben. Ein Werk entsteht, das aus der Perspektive und mit dem Selbstverständnis einer Frau spricht, die keine Angst kennt und kein Risiko scheut.

Grisélidis Réal hat Prostitution in Kunst verwandelt, die Regisseurin Marie-Eve de Grave deren Leben in einen Dokumentarfilm von erzählerischer Größe. Tagebucheinträge, literarische Skizzen, Zeichnungen, ein Adressbuch, Archivmaterial, Fotografien, Gespräche mit wichtigen Wegbegleitern wie dem französischen Schriftsteller Jean-Luc Hennig bilden das Gerüst einer Dramaturgie, die die verschiedenen Facetten ihres Lebens wie durch ein Prisma betrachtet und in einem Begriff bündelt: unbeugsam. Gleichzeitig ist dieser Film eine Reise in eine Vergangenheit, in der die gesellschaftliche Debatte über Sexualität gerade erst begann und alles möglich schien. 2009, vier Jahre nach ihrem Tod, erhält Grisélidis Réal mit Zustimmung der Stadtverwaltung einen Platz auf dem Ehrenfriedhof von Genf – in direkter Nachbarschaft des gottesfürchtigen Reformators Johannes Calvin. Die späte Genugtuung einer revolutionären Hure.

Matthias Heeder
Credits
Originaltitel: Belle de nuit – Grisélidis Réal, autoportraits
Land: Belgien
Jahr: 2016
Sprache: französisch
Untertitel: englisch
Laufzeit: 74 min.
Format: DCP
Farbe: Colour and B&W
Regie: Marie-Eve de Grave
Produktion: Françoise Hoste
Kamera: Jorge Piquer Rodríguez, Sébastien Koeppel
Schnitt: Simon Arazi
Ton: Ludovic Van Paschterbeke
Musik: Pierre Avia
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